Ergotherapie

Wofür ist Ergotherapie?

Klara, 6 Monate alt, kann sich nicht aus der Rückenlage auf den Bauch drehen. Sie liegt ungerne in der Bauchlage. Sie ist lustlos gegenüber Spielsachen, beobachtet nur ihre Umgebung, nimmt aber wenig an ihr teil.

Der 4,5jährige Malte klettert wenig, fällt häufig hin, er geht nicht gerne in den Kindergarten und spielt lieber mit Jüngeren.

Die 7jährige Michaela hat einen großen Bewegungsdrang und hat in der Schule Probleme, dem Unterricht zu folgen und sich zu konzentrieren.

Die 30jährige Frau S. hatte einen Unfall. Ihre rechte Körperseite, besonders ihr rechter Arm, leiden unter Bewegungs- und Empfindungsstörungen.

Der 78jährige Herr L. leidet nach einem Schlaganfall unter motorischen Einschränkungen und kann sich nicht mehr alles merken.

Fünf fiktive Menschen aus unterschiedlichen Generationen, die eines gemeinsam haben:

SIE SUCHEN HILFE IN DER ERGOTHERAPIE.

Ergotherapie – Ein Weg zu mehr Selbständigkeit

Ergotherapie begleitet, unterstützt und befähigt Menschen, die in ihren alltäglichen Fähigkeiten eingeschränkt oder von Einschränkungen bedroht sind.

Für eine effiziente Handlungsfähigkeit ist Voraussetzung, das körperliche, geistige und psychische Funktionen weitgehend intakt sind und der Mensch in eine sinnvolle Interaktion mit der Umwelt treten kann.

In der Ergotherapie geht es nicht um mechanische Wiederherstellung körperlicher, geistiger und psychischer Funktionen, sondern darum, dass der Mensch die verschiedenen Rollen und die damit verbundenen Aufgaben in seinem Leben wieder bestmöglichst einnehmen kann. Das Erreichen von größtmöglicher Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltags- und/oder Berufsleben ist das Ziel.

Dabei steht der Mensch als Ganzes im Vordergrund. Von größter Wichtigkeit ist: „Was kann der Mensch aufgrund seiner Erkrankung oder Verletzung nicht mehr tun und wie kann ihm geholfen werden“. Der Behandlungsform „Ergotherapie“ liegt das Konzept zugrunde, dass Kranke und Behinderte in alltags- bzw. handlungsorientierten Aktivitäten und Prozessen die erforderlichen Kompetenzen entwickeln, erhalten, wiederherstellen oder erweitern können, die für ein sinngebendes Leben wichtig ist.

Dabei ist der Bezug zur Umwelt für den Ergotherapeuten von entscheidender Bedeutung. Zum einen geht es um eine Anpassung, die der Mensch an gegebenen Umweltstrukturen zu leisten hat, zum anderen darum, Umweltstrukturen an den Betroffenen anzupassen. Der Ergotherapeut entwickelt deshalb für jeden Patienten, ob jung oder alt, ein individuelles, ganzheitliches Behandlungskonzept und strukturiert eigenverantwortlich den Prozess der Behandlung. Er gibt gezielte Anleitung für den häuslichen und beruflichen Alltag und unterstützt die Schritte zur Selbstständigkeit.

Ergotherapie kommt zum Einsatz bei Menschen jeden Alters, mit Störungen:

  • der Ausdauer und Belastbarkeit
  • der Grob- und Feinmotorik
  • der Koordination
  • der Wahrnehmung
  • des Bewegungsapparates
  • des Verhaltens in Form von übermäßiger Angst, Aggression, Abwehr, Passivität oder Hyperaktivität
  • der Hirnleistung
  • der Sensomotorik
  • der Sensibilität
  • bei körperlichen, geistigen und/oder seelischen Entwicklungsrückständen
  • bei Folgeschäden und
  • bei Auffälligkeiten im Selbstwert und der sozialen Kompetenzen.

Was kann Ergotherapie erreichen?

Zu Beginn der ergotherapeutischen Behandlung steht eine unfangreiche Anamnese und Befunderhebung.

So unterschiedlich wie die Krankheitsbilder, sind die therapeutischen Maßnahmen. Sie reichen von spielerischen Tätigkeiten (Schaukeln, Klettern, Parcour, …), handwerklich-kreativen Tätigkeiten (Holzarbeiten, Malen, Tonarbeiten, …) über Gedächtnistraining, Feinmotorik- und Sensibilitäts-Training bis hin zur Anpassung und Erprobung von Hilfsmitteln.

Hinzu kommt das Anpassen eines Arbeitsplatzes oder Wohnraumes.

Das Training der alltäglichen lebenspraktischen Dinge steht dabei im Vordergrund.

Ziel ist es, gemeinsam mit dem Patienten, die Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit zu verbessern und/oder zu erhalten – teilweise auch in Form von Hausbesuchen.

Wichtig im therapeutischen Geschehen ist die Beratung von Angehörigen und anderen Bezugspersonen. Ebenso zum therapeutischen Erfolg gehört die enge Zusammenarbeit mit den Ärzten, Kindergärten, Schulen und anderen Therapeuten.

Ergotherapie wird auf Verordnung des behandelnen Arztes durchgeführt. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Je nach ärztlicher Verordnung, umfasst eine Behandlungseinheit 30 bis 60 Minuten. Dazu zählen Vorbereitungszeit, die Arbeit mit dem Patienten, ggfs. Beratung der Eltern, bzw. Angehörigen, sowie die Nachbearbeitung. Um individuell auf  Bedürfnisse eingehen zu könne, behandeln wir in der Regel nur einzeln.